APOSTATEN EHREN

Mit Kompromissen will die neue Bruderschaft nicht leben? 

Es ist nicht weise, Apostaten auf den Schild zu heben!

Wenn diese”Kommentare”bisweilen gute Seelen dadurch schockieren, dass sie sowohl die (seit 1965 bestehende) Neukirche als auch die (seit 2021 existierende) Neubruderschaft St. Pius X. in gutem Licht erscheinen lassen, dann mögen sie wissen, dass dies aus pastoralen Gründen geschieht, weil sich viele Katholiken entweder durch die Neukirche oder die Neubruderschaft mit letzter Kraft an ihren katholischen Glauben klammern und diesen sonst nur allzu leicht verlieren könnten. In vielen solchen Fällen gilt sicherlich das Sprichwort:”Lieber ein halber Laib Brot als gar kein Brot. “Andererseits ist diese Art, den Glauben zu bewahren, aus doktrinalen Gründen mit ernsthaften Gefahren behaftet, da sich sowohl die Neukirche als auch die Neubruderschaft bezüglich der Doktrin auf Kompromisse eingelassen haben, welche die Bewahrung des katholischen Glaubens gefährden. Dies wird in folgendem Artikel sehr lebendig veranschaulicht, der aus der Feder eines Benediktinermönchs aus dem Kloster Santa Cruz unweit von Rio de Janeiro stammt.”Arsenius”(so das Pseudonym des Autors) gilt unser aufrichtiger Dank. 

Seitdem die Häresie des Humanismus (laut dem der Mensch vor Gott kommt) von den Konzilsvätern von Vatikan II (1962–1965) offiziell für”katholisch”erklärt wurde, haben die Päpste und ihre Berater den Marsch in den Abgrund unbeirrt fortgesetzt, wobei sie das Tempo immer wieder beschleunigten. Dieser Anblick verleiht uns keine Hoffnung, dass in irgendeinem dieser offiziellen Kirchenvertreter noch der Wunsch aufglimmen möge, sich irgendwie um die katholische Tradition (d. h. ganz einfach die wahre Kirche) zu scheren. Allerdings gibt es auch Menschen, die nicht nur solche Hoffnungen gehegt haben, sondern sogar eine seltsame Gewissheit empfanden, dass sich die Dinge in Rom zugunsten der Tradition entwickelten. Unter”Tradition”können sie nur die Neubruderschaft verstanden haben, die eine tadelnswerte”Einheit in Vielfalt”mit Rom erhofft. Daher der – für viele verwirrende – Riss zwischen der Neubruderschaft St. Pius X. und dem sogenannten”Widerstand». 

Der Wendepunkt für die Priesterbruderschaft St. Pius X. war das Jahr 2012, als die Resolution des vorherigen Generalkapitels von 2006, wonach es vor dem Triumph der katholischen Wahrheit kein Abkommen mit Rom geben könne, durch den offiziellen Wunsch der Neubruderschaft abgelöst wurde, noch vor der Rückkehr des Papstes und seiner Ratgeber zur katholischen Wahrheit eine solche Übereinkunft zu erreichen. Bischof Williamson wurde zuerst aus dem Generalkapitel, das diesen Kurswechsel vollzogen hatte, und dann aus der Neubruderschaft überhaupt ausgeschlossen. 

In den folgenden Jahren mehrten sich klare Anzeichen dafür, dass Rom und die Neubruderschaft eine Annäherung vollzogen. Nacheinander billigte Rom die von der Neubruderschaft vollzogenen Eheschliessungen, Priesterweihen und Beichten. War dies etwa die praktische Verwirklichung des berühmten Satzes”Rom gibt alles und verlangt dafür nichts als Gegenleistung»? War dieser Satz in diesem Fall eine Realität und nicht bloss eine Illusion? Man könnte sehr wohl antworten, dass es lediglich darum ging, sicherzustellen, dass die Neubruderschaft künftig in immer stärkerem Ausmass lediglich den Segen des modernistischen Roms anstreben und bei ihren Aktivitäten keine Rücksicht mehr auf die allgemeine, schwere Notlage innerhalb der Kirche nehmen würde, denn nun, wo die Tradition”offiziell anerkannt”war, war diese Notlage angeblich vorbei. Mittlerweile wartete Rom auf den Tag, an dem es der Neubruderschaft”den Teppich unter den Füssen wegziehen”und diese endgültig in jene Sackgasse jagen konnte, in die es sich selbst verrannt hatte. 

Doch ist die kürzliche Bekanntgabe, dass die Neubruderschaft ohne Roms Erlaubnis einen oder mehrere Bischöfe weihen wird, nicht möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass die alte Bruderschaft, jene vor 2012, zurückkehrt? Leider scheint das praktisch unmöglich. Eine Rückkehr zum kämpferischen Geist Erzbischof Lefebvres gegen die Feinde der Kirche in Rom scheint uns ein Erbe des Erzbischofs, das heute in der Neubruderschaft weitgehend verloren gegangen ist. Die Zukunft sieht für uns düster aus, obwohl Gott immer noch in zahlreichen Seelen wirkt, dank dem Apostolat von Mitgliedern der Neubruderschaft. Dies hindert uns freilich nicht an der Feststellung, dass die Neubruderschaft gut daran täte, eine Reihe ihrer nach dem Tod Erzbischof Lefebvres verkündeten grundlegenden Prinzipien zu korrigieren. Jedenfalls gilt: Je mehr Skandale das Pontifikat von Franziskus beflecken, desto mehr sollten sich die Illusionen von einer Versöhnung mit Rom verflüchtigen. Möge unsere Liebe Frau bewirken, dass wir die Kirche aller Zeiten verstehen und zutiefst lieben, die nicht mit der bei Vatikan II fabrizierten und von den folgenden Pontifikaten aufrechterhaltenen Karikatur verwechselt werden darf. 

Kyrie eleison