Protestantism

DIE MACHT DES ROSENKRANZES

on August 11, 2024

Das schlichte Rosenkranzgebet ein jeder Heiliger preist

Weil es mit grosser Sicherheit den Weg zum Himmel weist.

Als diese”Kommentare”in ihrer letztwöchigen Ausgabe (Nr. 890, 3. August) die Schlussfolgerung zogen, das Rosenkranzgebet sei der Ausweg aus dem heutigen Wahnsinn, der darin besteht, dass angebliche Kirchengesetze uns vom modernistischen Rom”aufgezwungen”werden, fragten sich viel Leser, welcher Zusammenhang denn zwischen diesen beiden Fragen besteht. Wie kann, bildlich ausgedrückt, die Lösung sämtlicher Probleme der Kirche dem Rosenkranz aufgebürdet werden?

Doch bevor Schwester Lucia von Fatima in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch eine Marionette ersetzt wurde, die sich den Modernisten gegenüber erheblich gefügiger zeigte, konnte sie sagen, dass Gott dem Rosenkranz in unseren Zeiten eine besondere Macht verliehen hat, so dass er alle Probleme beheben kann. An diese Macht müssen Katholiken (und Nichtkatholiken) im Hinblick auf die Prüfungen glauben, die in naher Zukunft über die Welt hineinbrechen werden. Der Schlüssel zum Verständnis der Frage liegt darin, dass die Welt um uns herum Gott ausschliesst und bestenfalls noch eine Hülle von ihm übriglässt. Das Rosenkranzgebet stellt das Gefühl für Gott in den Menschenseelen nach und nach wieder her. Beginnen wir bei der menschengemachten Abwesenheit Gottes und gehen wir dann zur Macht des Rosenkranzes über.

Der von der Menschheit vollzogene Ausschluss Gottes begann in der Neuzeit spätestens im 15. Jahrhundert mit dem Schwinden des katholischen Glaubens an Gott und dem entsprechenden Wachstum der Hochachtung vor dem Menschen in der sogenannten Renaissance, oder”Wiedergeburt”des Menschen. Die dieser Entwicklung zugrunde liegende Idee war, dass das Mittelalter Gott so überschätzt hatte, um den Menschen herabzuwürdigen. Diese Idee bahnte den Weg für die Explosion des Humanismus, oder der masslosen Überschätzung des Menschen um des Menschen willen, durch Martin Luther (1483–1548) in Gestalt des Protestantismus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese fragmentarische Revolte des subjektiven Menschen gegen die einheitliche objektive Ordnung des Gottes des Katholizismus dominiert die Neuzeit der”westlichen Zivilisation”seither. Auf den Protestantismus lassen sich alle grundlegenden Irrtümer unserer Zeiten zurückführen, beispielsweise der Naturalismus, der Rationalismus und insbesondere der Liberalismus im 19. Jahrhundert, dann der Ökumenismus, der Modernismus und besonders der Kommunismus im 20. Jahrhundert. Die Gottlosigkeit hat einen langen Weg hinter sich.

Mehr als vierhundert Jahre hielten die katholischen Päpste gewissermassen das Banner des katholischen Glaubens gegen Luther hoch, aber mit Vatikan II (1962–1965) warfen sie das Handtuch, und als man das Jahr 2024 schrieb, war das Verhängnis so weit gediehen, dass ein weltweites Sportfest mit einer Verhöhnung des Heiligen Abendmahls beginnen konnte. Solcherlei Blasphemie ist buchstäblich die neue Religion der”westlichen Zivilisation». Um voll zu begreifen, wie lange die Entfremdung des modernen Menschen von dem einen wahren Gott schon andauert, und wie tief sie wurzelt, sollte man ein Porträt Luthers wie dasjenige des französischen Philosophen Jacques Maritain in seinem Buch”Drei Reformatoren”lesen. Luthers gewaltsame Rebellion gegen Gott erfolgte im tiefsten Inneren der menschlichen Seele. Wie kann da jemand behaupten, das Gebet des einfachen Rosenkranzgebetes mit seinen vielen Wiederholungen könne ein Heilsmittel sein?

Physisch beansprucht, reguliert und beruhigt der Rosenkranz die beweglichsten Teile eines Menschen: Die Finger mit dem Perlen, den Mund mit dem Aussprechen der Gebete, den Geist mit der Kontemplation der Mysterien und vielleicht auch die Füsse mit dem Hin- und Hergehen. Diese Beanspruchung unseres wankelmütigen körperlichen Rahmens befreit die Seele für das Gespräch mit Gott, d. h. das Gebet. Mein Geist verliert sich in Phantasien? Die Perlen bringen mich zurück. Und spirituell sind die Mysterien auf Unseren Herrn zentriert, die symmetrisch zu den Mysterien Unserer Lieben Frau aufgebaut sind (die von Modernisten hinzugefügten unsymmetrischen”Mysterien des Lichts”sollten ausser Acht gelassen werden). Sie schenkt Ihm die Geburt, Er stirbt für unsere Sünden, Sie wird dafür zur Königin des Weltalls gekrönt.

Nun”wurde Rom nicht an einem Tag erbaut». Nicht einmal der Rosenkranz kann den Himmel automatisch innerhalb einiger Wochen neu öffnen. Doch wer immer beharrlich am Rosenkranzgebet festhält, hat jede Chance, auf den Weg zum Himmel zurückzufinden und den Pfad der Welt mehr und mehr zu verlassen. Jedes Mysterium hat seine eigene Lektion über Gott, und alle fünfzehn zusammen führen mich durch den gesamten Zyklus der Heilsgeschichte. Hier und sonst nirgends liegt der Grund dafür, dass ich überhaupt geboren wurde. Hier passiert in weniger als einer Stunde Revue, was den Sinn der ganzen Schöpfung ausmacht. Unser Leben auf Erden ist nicht einfach”garstig, arm, roh und kurz», um es in die berüchtigten Worte eines englischen Philosophen zu kleiden. Um uns in den Himmel zu führen, hat Unser Herr allein mehr gelitten, als alle von uns je zusammen erleiden könnten. Ich will in den Himmel kommen. Ich werde jenem besonderen Gebet treu sein, das Gott Seiner Kirche schenkte, um mich dorthin zu führen!

Kyrie eleison.

RÖMER X

on Juli 6, 2024

Ein Katholik muss sonntags in der Messe sein!

«Ich will nur meine Schokoladekirche.”NEIN!

Dass die Israeliten unter dem Alten Testament das unter allen Völkern der Welt auserwählte Volk waren, um Gottes Sohn Seinen irdischen Leib vorzubereiten, so dass Er in der Lage sein würde, für sämtliche Menschen als ihr Erlöser und Messias zu leiden und zu sterben, und dass sie sich dennoch weigerten, Ihn als ihren Messias anzuerkennen, als Er schliesslich unter ihnen erschien, ist ein grosses Geheimnis. Man kann dies natürlich mit der menschlichen Natur, der Erbsünde und dem menschlichen Stolz erklären, doch das Geheimnis bleibt bestehen. Wie konnte irgendein Volk auf Erden während der zweitausend Jahre, die seit Abraham verflossen waren, besser auf das Kommen des Messias vorbereitet sein und es doch ablehnen, Ihn zu anerkennen, sondern sich im Gegenteil während der folgenden zweitausend Jahre zu Seinen hartnäckigsten und erbittertsten Verfolgern wandeln?

In Kapitel IX des Römerbriefs beginnt St. Paulus seine Antwort auf diese Frage mit der Erklärung, dass Gottes Volk nicht gescheitert ist, doch während es unter dem Alten Testament ausschliesslich aus Juden bestand, die in ihre Rasse hineingeboren waren, bestand es jetzt, unter dem Neuen Testament, aus Juden oder Nichtjuden, die sich durch ihren Glauben an Jesus Christus auszeichneten. Und wenn Gott aus freiem Willen beschlossen hat, sein Geschenk des Glaubens vorzugsweise Nichtjuden statt Juden zuteilwerden zu lassen, war dies sein Vorrecht, und die Juden hatten – und haben – einzig und allein sich selbst für die Ablehnung dieses Geschenks zu tadeln. Diese Ablehnung wirft Licht auf Gottes Barmherzigkeit gegenüber den Nichtjuden, die früher nicht imstande waren, Gottes Volk anzugehören, doch nun dank dem katholischen Glauben der katholischen Kirche angehören können, während Juden, die Jesus Christus verwerfen und sich, um gerettet zu werden, an das mosaische Gesetz klammern, ein falsches Israel des Fleisches schaffen und unfähig sind, ihre Seele zu retten.

In Kapitel X stellt der Heilige Paulus einander auf ähnliche Weise zwei”Gerechtigkeiten», oder Zustände der Rettung, entgegen (Verse 1–4). Die Gerechtigkeit des Alten Testaments verlangt die Erfüllung aller vom Mosaischen Gesetz vorgeschriebenen Werke, was aber laut St. Paulus unmöglich ist (Vers 5). Im Gegensatz hierzu verlangt die Gerechtigkeit des Neuen Testaments keine solchen kaum zu erfüllenden Werke, sondern lediglich, dass ein Jude oder Nichtjude innerlich an Jesus glaubt und sich äusserlich zu ihm bekennt (Verse 6–13). Nun trifft es durchaus zu, dass man, um an Jesus Christus zu glauben, durch einen Prediger von Ihm erfahren haben muss (14–17). Doch nicht jeder entscheidet sich für den Glauben, selbst wenn er von Christus weiss (16). Somit haben die Juden das Evangelium Christi sowohl gehört (18) als auch verstanden (19), doch haben sie es vorgezogen (und die ganzen Jahrhunderte durch an dieser Wahl festgehalten), nicht an Christus zu glauben (21).

In Kapitel X des Römerbriefs sind diese Verse 6 bis 13 von besonderer Bedeutung, weil sie von Luther als einer der Schlüsseltexte der Heiligen Schrift benutzt wurden, um den Protestantismus zu begründen und so die ganze moderne Welt einzuläuten. In den erwähnten Versen vergleicht Paulus die Einfachheit eines Glaubensbekenntnisses mit der unmenschlichen Schwierigkeit, die vom Mosaischen Gesetz vorgeschriebenen Werke zu verrichten (siehe Römer VII), geht jedoch nicht darauf ein, was sonst noch für dieses Glaubensbekenntnis nötig ist, damit eine Seele der katholischen Kirche beitreten und für die Ewigkeit gerettet werden kann. Beispielsweise mag ein Mann einen sehr vergesslichen Sohn haben, so dass, wenn der Sohn den Familienwagen benutzen will, sein Vater zu ihm sagen mag:”Das Auto braucht Benzin.”Um fahrtüchtig zu sein, benötigt das Auto allerdings auch Öl und Wasser, aber der Vater sagt seinem Sohn nicht”Das Auto braucht Benzin und Öl und Wasser», weil man dies dem Sohn im vorliegenden Kontext nicht in Erinnerung zu rufen braucht, obwohl es völlig richtig und vollständiger ist.

Doch Luther benutzt das Bibelzitat so, als wäre lediglich ein innerliches und äusserliches Glaubensbekenntnis zu Christus erforderlich, als ob der oben erwähnte Vater gesagt hätte:”Der Wagen braucht nur Benzin», was offensichtlich falsch wäre. Um dem Gottesvolk des Neuen Testaments, der katholischen Kirche, beitreten zu können, muss man auch getauft sein:”Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden”(Markus XVI, 16). Dies brauchte Paulus in Römer X, 8–13, nicht hinzuzufügen, doch indem Luther Paulus die Behauptung unterstellte, zur christlichen Erlösung sei nur das subjektive Glaubensbekenntnis notwendig (als ob Autos nur Benzin benötigten), missbrauchte Luther das Zitat, um die ganze katholische Kirche abzuschaffen! Der Subjektivismus (Mensch vor Gott) hat den Katholizismus seither langsam, aber unerbittlich verdrängt. Heute ist es der”Wokeism».

Kyrie eleison

„Griechische Geschenke“ – II.

on August 27, 2011

„Eure Exzellenz, warum stellten Sie in der letzten Ausgabe der „Eleison Kommentare“ (Nr. 214) denn die Aufrichtigkeit und den guten Willen der römischen Kirchenvertreter in Frage? Diese Vertreter wollen doch nur die Entfremdung der Priesterbruderschaft St. Pius X. von der Amtskirche beenden. Sie verglichen diese Kirchenvertreter jedoch mit den Griechen, welche die Trojaner bewußt mit dem Trojanischen Pferd täuschten. Hingegen wollen diese Römer doch nur die lange und schmerzliche Spaltung zwischen den traditionellen Katholiken und der Kirchenführung überwinden!“

Die Antwort lautet: Wir brauchen die Aufrichtigkeit und den guten Willen dieser Römer keineswegs in Frage zu stellen. Doch genau hier liegt das Problem. Denn nach fast 500 Jahren des Protestantismus und des Liberalismus ist unser Zeitalter so stark verwirrt und so sehr auf den Kopf gestellt, daß die Welt voller Menschen ist, welche das Falsche tun, dabei aber von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt sind. Je stärker diese Menschen davon überzeugt sind, das Richtige zu tun, desto gefährlicher sind sie. Denn mit einer umso größeren subjektiven Aufrichtigkeit und guter Absicht setzen sie dann das objektiv Falsche in die Tat um und reißen andere mit sich. Je aufrichtiger die heutigen Römer also von der Richtigkeit ihrer Neukirche überzeugt sind, desto wirksamer zerstören sie die wahre Kirche.

„Aber Eure Exzellenz, Gott allein kann doch ihre Absichten richtig beurteilen!“

Subjektive Absichten sind vergleichsweise nebensächlich, weil es um die Verteidigung des wahren Glaubens geht. Wenn die Römer auf gutmeinende Weise die Priesterbruderschaft in die Amtskirche hineinziehen wollen, so kann ich sie zwar als Menschen mögen, hasse aber trotzdem ihre Irrtümer. Sollten die Römer hingegen in böser Absicht handeln, weil sie beispielsweise wissen, daß sie den wahren Glauben zerstören wollen, dann mag ich sie nicht und hasse gleichsam ihre Irrtümer. Ob die römischen Kirchenvertreter nun liebenswürdig sind oder nicht, und ob ich sie mag oder nicht, spielt eine geringe oder keine Rolle im Hinblick auf die Irrtümer, durch welche diese Römer objektiv gesehen die Kirche zerstören.

Wenn liebenswerte Menschen furchtbare Irrtümer vertreten, so kann leicht folgendes passieren: Entweder wir sehen diese Irrtümer als so liebenswert wie ihre Vertreter an und werden somit von diesen Menschen zum Liberalismus hingezogen. Oder aber wir stufen diese Menschen als ebenso schrecklich wie ihre Irrtümer ein und werden somit von den Irrtümern der Konzilspäpste zum Sedisvakantismus gezogen. Tatsächlich war es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nie so leicht wie heute, daß Menschen gleichzeitig so liebenswert sind wie ihre Irrtümer furchtbar. Das ist ein Merkmal unseres Zeitalters. Die Situation dürfte nur noch unter dem Antichrist schlimmer werden. Doch bereits seine Vorgänger treiben die Welt in den Untergang.

Unterdessen gilt, daß jene römischen Kirchenvertreter, welche am 14. September 2011 auf die Oberen der Priesterbruderschaft treffen, von der Richtigkeit der Neukirche – als Folge der Umformung durch das Zweite Vatikanische Konzil – überzeugt sind. In diesem Fall unterliegen diese Römer einem schwerwiegenden Irrtum. Vielleicht wurden diese römischen Vertreter aber auch wegen ihres gewinnenden Wesens ausgewählt, um die Priesterbruderschaft leichter in das offizielle Rom hineinzuziehen. Dann dürfen Sie, liebe Leser, nicht überrascht sein, wenn alles so hingedreht werden wird, als ob die Bruderschaft das edle Angebot und die guten Absichten Roms verschmähen würde. In Wahrheit wird die Bruderschaft dann aber lediglich die schrecklichen Irrtümer der Römer zurückweisen. Es lebe das wahre Rom! Es leben die lieblichen Römer! Doch bewahre Gott uns vor ihren Irrtümern!

„Eure Exzellenz, was ist der Hauptirrtum dieser Römer?“

Daß sie den Menschen an die Stelle Gottes rücken. Sie gleiten in die Apostasie ab und reißen mit sich Seelen ohne Zahl.

Schuldlose Unkenntnis

on August 13, 2011

Ein Leser stellt folgende wesentliche Frage: „Kann ein guter Protestant – der zwar ein gutes Leben führte, aber felsenfest glaubt, daß der katholische Glaube falsch ist, und der daher gar nicht erst erwägt, in die katholische Kirche einzutreten – gerettet werden?“ Diese Frage ist vital, d.h. lebensnotwendig (lateinisch „vita“ heißt „Leben“), weil es für unzählige Seelen um das ewige Leben oder den ewigen Tod geht.

Der wichtigste Punkt der Antwort lautet, daß Gott, sobald eine Seele bei ihrem Tod augenblicklich vor Seinem Richterstuhl erscheint, sie mit perfekter Gerechtigkeit und Barmherzigkeit richtet. Gott allein kennt die Tiefen des Herzens eines Menschen, über welche der Mensch sich selber – und anderen erst recht – etwas vormachen kann. Während der Mensch falsch urteilen kann, ist dies bei Gott unmöglich. Daher wird der „gute Protestant“ entweder durch sich selber verdammt oder durch Gott gerettet werden, so wie dieser Mensch entsprechend dem unfehlbaren Ratschluß Gottes es verdient.

Gott will, daß wir alle gerettet werden (Erster Brief des Timotheus 2,4) und verlangt von uns unter Androhung der ewigen Verdammnis (Markus 16,16), daß wir glauben. Somit leuchtet ein, daß Gott uns auch wissen läßt, was wir glauben und tun müssen, um unsere Seele zu retten. Was also muß dieser „gute Protestant“ glauben?

Jeder Mensch muß für seine Seelenrettung wenigstens glauben, daß Gott existiert, und daß Er die Guten belohnt und die Bösen bestraft (Hebräerbrief 11,6). Ein „guter Protestant,“ welcher dieses nicht glaubt, kann nicht gerettet werden, auch wenn er ein „gutes Leben“ führte. Allerdings gehen viele katholische Theologen weiter und erklären, daß der Mensch für seine Seelenrettung auch an die Heilige Dreifaltigkeit und an Jesus Christus als Erlöser glauben muß. Wenn diese Theologen richtig liegen, dann dürfte es noch viel mehr „gute Protestanten“ geben, die ihre Seelen nicht retten können.

Nun kann Gott von den Menschen allerdings auch verlangen, daß sie mehr als nur diese absoluten Grundlagen glauben müssen – und zwar in Abhängigkeit von den Gelegenheiten in ihrem Leben, von der von Ihm ausgehenden Wahrheit zu erfahren. Begegneten sie dem übrigen katholischen Glauben, welchen sie ignorieren, wirklich niemals? Vielleicht nicht. Aber vielleicht trafen sie doch auf ihn. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine protestantische Mutter einmal voller Begeisterung von einem katholischen Priester erzählte, der alle ernsthaften Fragen ihres „guten protestantischen“ Vaters beantwortet hatte. Doch hatte dies keine Folgen für sein Leben, soviel ich weiß. Wenn „gute Protestanten“ wirklich nur einmal in ihrem Leben der katholischen Wahrheit begegneten, warum gingen sie ihr dann nicht nach? Abgesehen von dem Fall, daß sie ihnen schlecht vorgestellt worden wäre, haben sie die Wahrheit praktisch zurückgewiesen. Können sie diese Zurückweisung schuldlos durchgeführt haben? Wiesen sie die Wahrheit also unschuldigerweise oder willentlich zurück? „Gute Protestanten“ betrachten sich gerne als unschuldig – so wie wir alle. Doch niemand kann Gott täuschen.

Ein „guter Protestant“ muß jedoch auch etwas tun, um gerettet zu werden. Er mag zwar nicht alles kennen, was die katholische Kirche unfehlbar in Moralfragen von uns verlangt, doch trägt er wenigstens das natürliche Licht seines angeborenen Gewissens in sich. Es ist sicherlich schwer, diesem natürlichen Licht des angeborenen Gewissens unter der Last der Erbsünde und ohne Hilfe der katholischen Sakramente zu folgen. Doch wer das Gewissen ernstlich verletzt oder von der Wahrheit löst, kann leicht im Stande der Todsünde leben und sterben, und somit nicht gerettet werden. Wiederum kann der „gute Protestant“ im Gegensatz zu den Katholiken sich darauf berufen, daß er die Fülle der Gesetze Gottes nicht kannte. Aber ist seine Unkenntnis wirklich „unüberwindlich“ und damit schuldlos? Wußte der Protestant beispielsweise tatsächlich nicht, daß die künstliche Empfängnisverhütung Gott ernsthaft beleidigt, oder wollte er es nur nicht wissen?

Gott allein weiß es. Gott allein richtet. Möge er Erbarmen mit allen „guten Protestanten“ und mit uns allen haben.

Kyrie eleison.

Verfaulende Äpfel

on Mai 14, 2011

Das Beispiel eines verfaulten Apfels kann die Situation der heutzutage verdunkelten Kirche in zweierlei Hinsicht erhellen. Erstens, wenn wir einen Apfel insgesamt als verfault bezeichnen, so warten wir damit nicht bis zu dem Zeitpunkt ab, wo wirklich jeder einzelne Teil des Apfels komplett verfault ist. Es gibt also in jenem Fall noch gewisse Teile am Apfel, welche noch nicht verfault sind. Wenn wir dann fragen, ob dieser Apfel verfault ist, so brauchen wir eine doppelte Unterscheidung: als Ganzes ist er verfault – in einigen Teilen auch, aber in anderen Teilen nicht. Zweitens ist der Apfel zwar nicht die Fäulnis und die Fäulnis nicht der Apfel, aber dennoch ist die Fäulnis nicht vom Apfel trennbar und kann ohne ihn auch gar nicht existieren. Diese Überlegungen entsprechen dem gesunden Menschenverstand. Übertragen wir nun ihren ersten Teil auf die „Novus Ordo“-Messe und die „Konzilskirche,“ und den zweiten Teil auf die „Konzilskirche“ und das Papsttum.

Wegen ihrer vom Konzil kommenden Zentrierung auf den Menschen ist die neue Messe als Ganzes verfault. Doch während einige Teile von ihr eindeutig nicht katholisch sind (beispielsweise das Offertorium), so sind andere Teile noch katholisch (beispielsweise das

Kyrie eleison.). Weil die neue Messe aber als Ganzes verfault ist und dadurch aus den Katholiken langsam Protestanten macht, können wir sie nicht besuchen. Dennoch mag jener Teil der „Novus Ordo“-Messe, welcher aus der Konsekration besteht, noch katholisch und gültig sein. Aus diesem Grund können wir weder sagen, daß die „Novus Ordo“-Messe gültig ist und das genügt, um sie besuchen zu können, noch daß sie ungültig ist und deswegen nicht besucht werden kann. In Wirklichkeit kann es sein, daß diese Messe in ihrem notwendigen Teil gültig ist – aber dies rechtfertigt noch lange nicht, unseren Glauben dadurch in Gefahr zu bringen, daß wir dieser Messe insgesamt beiwohnen.

Auf vergleichbare Weise ist die heutige Kirche als Ganzes betrachtet verfault, weil der Konziliarismus die gesamte Kirche durchdringt. Trotzdem gibt es noch einzelne Teile in der Kirche, welche noch nicht durch den Konziliarismus verfault sind. Deswegen ist es falsch, wegen des konziliaren Ganzen auch die noch vorhandenen katholischen Teile zu verwerfen. Ebenso falsch ist es allerdings, das konziliare Ganze mit dem Hinweis zu entschuldigen, daß es noch einzelne katholische Teile gibt. Um unseren Verstand an der Wirklichkeit auszurichten, müssen wir sowohl zwischen dem Ganzen und den Teilen unterschieden, als auch zwischen den verschiedenen Teilen.

Wenn wir nun den zweiten Teil des Vergleiches vom verfaulten Apfel auf die Konzilskirche anwenden, so ist es sinnvoll, von zwei Kirchen zu sprechen: von der „Konzilskirche“ und der katholischen Kirche. Denn in der Praxis dehnt der Konziliarismus sich überall in der Kirche aus, auch wenn Katholizismus und Konziliarismus in ihrer jeweils reinen Form sich gegenseitig ausschließen wie der Apfel und die Fäulnis. Doch in der Praxis können Konziliarismus und Katholizismus genausowenig voneinander getrennt werden wie die Fäulnis vom Apfel – oder wie irgendein Parasit von seinem Wirt. In der Praxis gibt es nur eine Kirche, die katholische Kirche, welche heute von oben bis unten an der konziliaren Fäulnis leidet.

Kommen wir schließlich zum konziliaren Papst. Es ist durchaus sinnvoll, von ihm als dem Haupt zweier Kirchen zu sprechen. Denn durch seine Worte und Handlungen, welche manchmal katholisch, manchmal konziliar sind, stellt der konziliare Papst sich beständig an die Spitze einerseits von der katholischen Kirche und andererseits von ihrer konziliaren Fäulnis, der Konzilskirche. Das besagt nun allerdings nicht, daß der Papst Kopf zweier in der Praxis verschiedenen Kirchen ist, sondern daß er Kopf sowohl des Katholizismus als auch des Konziliarismus in der einen wirklichen katholischen Kirche ist, welche zur Zeit gänzlich von der konziliaren Fäulnis entstellt ist.

Warum sind unsere Kirchenführer so in die konziliare Fäulnis verliebt, um Himmels Willen? Wegen der modernen Sehnsucht nach Freiheit. Doch das ist eine andere Geschichte. In der Zwischenzeit müssen wir mit aller Macht dafür beten, daß Benedikt XVI. noch einmal den Unterschied zwischen Apfel und Fäulnis erkennen möge!

Kyrie eleison.

Gesegnete Höhle

on Oktober 16, 2010

Wie töricht ist es doch, die Gnade von der Natur zu trennen! Denn beide sind füreinander geschaffen. Noch törichter ist allerdings der Gedanke, daß die Gnade gegen die Natur kämpfe! Zwar liegt die Gnade tatsächlich im Kampf mit dem Schlechten unserer gefallenen Natur, aber eben nicht mit der von Gott kommenden Natur, die über dieser Gefallenheit steht. Im Gegenteil gibt es die Gnade doch gerade, um diese gefallene Natur von ihrer Gefallenheit und ihrem Fallen zu heilen, und um sie bis in Gottes Höhen zu heben, damit sie am göttlichen Wesen teilhabe (2. Petrus 1,4).

Die Natur ohne Gnade neigt zwar zur Revolution, aber eine die Natur verachtende Gnade führt zu einer Verfälschung des geistigen Lebens, beispielsweise zum Jansenismus, der ebenfalls zur Revolution führt. Bei einer siebentägigen Reise nach Italien wurde mir die Schwere dieses protestantischen Irrtums erneut deutlich, welcher die Gnade gegen die Natur anstatt gegen die Sünde stellt. Denn die Reise führte auch in vier Berggegenden, in die vier große Heilige geflohen waren (die im Brevier und im Meßbuch stehen), um Gott näherzukommen – mitten in der Natur. In zeitlicher Reihenfolge waren dies der hl. Benedikt (Festtag 22. März, in Subiaco), der hl. Romuald (7. Februar in Camaldoli), der hl. Johannes Gualbert (12. Juli in Vallombrosa) und der hl. Franz von Assisi (4. Oktober in La Verna).

Im 11. Jahrhundert wählten zwei Mönchsorden die Orte Camaldoli und Vallombrosa, hoch oben in den Hügeln, die Florenz umgeben, als ihren Ordensnamen und Gründungssitz aus. In La Verna, hoch oben im toskanischen Apennin, erhielt der hl. Franz von Assisi im Jahre 1224 die Wundmale Christi. Heute können diese drei Orte relativ einfach mit dem Bus oder Auto erreicht werden, doch nach wie vor sind sie von Waldland umgeben und liegen hoch genug über dem Meeresspiegel, daß es im Winter bitterkalt sein muß. An diesen Orten verkehrten die drei Heiligen mit Gott, fernab von den Bequemlichkeiten der Städte mit ihrer „verrückten Masse“ – verrückt genug selbst noch in den kleineren Städten jener Zeit.

Am stärksten beeindruckte mich vielleicht die Gegend bei Subiaco, die eine Autostunde östlich von Rom liegt. In einer Höhle an einem Berghang verbrachte dort Benedikt als junger Mann drei Jahre. Er kam im Jahr 580 des Herrn zur Welt, floh als junger Student vor der Verderbtheit in Rom und ging im Alter von 20 Jahren in die Berge – manche sagen, mit 14 Jahren, und wenn dem so ist: was für ein Jugendlicher! Ab etwa 1200 anno Domini entstand an jenem Berghang, den dieser junge Mann geheiligt hatte, ein Kloster in großem Stil, aber noch heute können wir erahnen, was Benedikt dort bei seiner Suche nach Gott fand: oben die Wolken und den Himmel, tief unten den im Tal hinunterrauschenden Sturzbach, am entgegenstehenden Berghang nur wildes Waldland, und als Gesellschaft nichts anders als die Vögel, die an der steilen Felswand hin- und herkreisen. Allein mit der Natur . . . mit Gottes Natur . . . allein mit Gott!

Drei Jahre lang allein mit Gott . . . drei Jahre, die einen jungen Katholiken befähigten, seine Seele zusammen mit Jesus Christus und inmitten von Gottes Natur so in Besitz zu nehmen, daß seine berühmte Benediktinische Regel das zusammenbrechende römische Imperium in ein rasch erstarkendes Christentum verwandeln konnte. Diese Christenwelt wiederum bricht nun in Form der „Westlichen Zivilisation“ zusammen. Wo sind heute die katholischen Jungmänner, die mit Christi Hilfe ihre Natur und somit ihre Seele wieder in Besitz nehmen, um dadurch die Christenwelt zu retten?

Heilige Muttergottes, beflügele unsere jungen Männer!

Kyrie eleison.